„Fühl dich nicht immer gleich so persönlich angegriffen und  mach dir nicht über alles so viele Gedanken“. Ein Satz den ich ungefähr 1x pro Monat zu hören bekomme. Unabhängig davon ob ich es wirklich tue oder nicht – ich mache für viele den Anschein danach.

Und so ganz Unrecht haben die Menschen, die das niemals böse meinen würden, damit auch nicht wenn sie das zu mir sagen. Ich fühle mich meistens (eigentlich fast immer) persönlich angegriffen. Wobei ich glaube, dass angegriffen hier das falsche Wort ist. Ich nehme mir sehr schnell alles zu Herzen, mache mir viel zu viele Gedanken und suche den Fehler an mir. Ich würde nie jemanden anderen dafür verantwortlich machen aber doch glaube ich immer, dass andere mir Böses wollen.

Es war einmal..

Als ich vor einiger Zeit meine „Erinnerungskiste“ durchstöbert habe (in der sich unzählige Zettelchen wiederfinden die in der Schule damals zwischen 20 Kids unter lautem Zischen weitergegeben wurden) ist mir ein Zettel ganz besonders ins Auge gestochen. Meine damalige beste Freundin schrieb mir eine Liste mit Gründen „warum wir keine besten Freunde mehr sein können“. Zum einen waren da zieeemlich heftige Gründe wie beispielsweise die Tatsache, dass wir beide Anhänger vom selben Fußballverein waren oder wir dieselben Converse trugen.

Unter anderem war da aber auch ein Punkt der mich (ernsthaft) zum Grübeln brachte. Ich zitiere:

  • „Ständig dieses fragen ob ich böse auf dich bin? Weißt du eigentlich wie sehr das einen nerven kann? Nein, weißt du nicht. Ich stelle dir ja auch nicht andauernd diese Frage!!!“

Das sitzt. Ich kann mich nicht erinnern wie ich in dieser Situation damals reagiert habe, ob ich geweint geschrien oder vielleicht sogar nochmal gefragt habe was ich denn gemacht hätte. Wirklich ein Ende unserer „besten Freundschaft“ gab es dann trotzdem nicht. Na gut, vielleicht war ich dann nur noch ihre „Zweitbeste“. 😛

Ja, man mag als Kind/Jugendlicher oft Dinge sagen die man vielleicht nicht gut überdenkt. Meist überlegt man da ja auch nicht mal ob es eine richtige Ausdrucksweise gibt. Vielleicht meint man das meiste auch gar nicht immer so, aber gerade das ist der Punkt. So hart die Worte meiner damaligen Freundin klingen mögen – sie haben mir jetzt, 10 Jahre später, auf irgendeine Art und Weise die Augen geöffnet.

Gedanken über Gedanken

Wieso machen wir uns jetzt immer so einen Kopf um alles? Wieso zerreden wir die Dinge und besprechen alles bis ins kleinste Detail? Wir versuchen gar nicht mehr auf unseren eigenen Körper  und unsere Gefühle zu hören und holen uns erst lieber den Rat der besten Freundin. Wir sagen manchmal nicht einmal mehr das was wir für richtig halten, sondern lieber das was wir glauben was die anderen gerne hören würden. Ich würde sogar fast meinen, dass viele von uns verlernt haben eigene Gedanken und Gefühle bewusst wahrzunehmen und deshalb lieber erst mal Angst oder Wut nach außen auf den jeweiligen Auslöser projizieren. Ich würde mich selber als sehr feinfühligen Menschen bezeichnen. Ich merke schnell wenn eine Situation angespannt ist oder wenn sich jemand nicht wohlfühlt. Was wirklich interessant ist, denn wenn es um meine eigenen Gefühle beziehungsweise Gedanken geht weiß ich oft nicht so schnell  wie ich damit umgehen soll.

 

Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich das jetzt alles schon super gut im Griff habe. Ich habe in den letzten Jahren jede meiner Freudinnen, meinen Freund und auch meine Familienmitglieder schon mindestens 10x gefragt ob ich irgendetwas gemacht habe oder ob alles in Ordnung ist. Die Freundschaft hat mir deshalb noch keine gekündigt (:-P).

Irgendwann ist’s aber dann auch mal genug

Anstrengend ist es trotzdem. Und zwar in erster Linie für mich. Ja, ich bin so egoistisch und denke dabei nur an mich. Denn irgendwann kommt so ein Punkt an dem man sich denkt „Schluss jetzt“. Ich will nicht mehr so viel nachdenken, mir so viele Gedanken machen oder ständig versuchen die Gefühle der anderen zu verstehen. Denn Fakt ist doch, dass wir alle unser Päckchen zu tragen haben, dass wir alle jeden Tag etwas anderes erleben, mit einem anderen Gefühl aufwachen und abends mal mehr und mal weniger glücklich zu Bett gehen. Verantwortlich ist man dafür aber meistens immer nur selbst.

Es kann wahnsinnig anstrengend sein, sich so viele Gedanken zu machen, denn irgendwann vergisst man dabei auf seine eigenen. Man kreiert dabei meist nur Probleme und Ängste die vorher gar nicht da waren und so etwas kostet einen unheimlich viel Kraft. Noch habe ich vielleicht nicht gelernt das ganz abzustellen – jedoch helfen mir ein paar ruhige Minuten für mich in denen ich mich sammeln kann und Geschehens wiederhole.

Erst mal tief ein und aus atmen

Ein paar Mal tief ein- und ausatmen. Das hilft mir wahnsinnig dabei sich schnell Ruhe und Überblick zu verschaffen. Ich versuche zu überlegen wo ich gerade mit meinen Gedanken war und ob und wie mich diese beeinflusst haben. Ich versuche auch genau zu verstehen was das eigentliche Problem ist und was genau daran so eine Unruhe in mir auslöst. Meistens komme ich danach sehr schnell zu der Erkenntnis, dass es kein wirkliches Problem gibt und dass ich mir viel selbst zusammen reime. Es hilft aber wirklich, sich das nach und nach ins Bewusstsein zu rufen.

Viel zu oft interpretieren wir die Worte oder Taten anderer aufgrund unserer seelischen Verfassung und sehen darin ganz andere Dinge als eigentlich gemeint waren. Das ist es, was ich mir in solchen Momenten immer wieder bewusst mache. Wir haben alle unterschiedliche Auffassungen davon, wie Dinge abzulaufen haben, wie andere Menschen sich verhalten sollten und wann etwas gut oder schlecht ist. Niemand ist verantwortlich für die Laune die ein anderer an den Tag legt.

Hier und Jetzt

Und ist es nicht schöner in der Gegenwart zu leben und sich nicht ständig Sorgen und Gedanken um Dinge zu machen die noch gar nicht passiert sind? Zugegeben, ganz angekommen bin ich noch nicht an dem Punkt an dem ich sagen könnte, dass ich mir wirklich weniger Gedanken mache. Aber ich weiß zumindest wie ich damit umgehen kann und wie ich mir selbst das Leben erleichtern kann.

Vielleicht hilft es auch dem ein oder anderen sich wirklich einen klaren Kopf über gewisse Situationen zu machen und tief in sich hinein zu hören. Schau ma mal.

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